Zweieinhalb intensive Reittage, mit viel Theorie und soviel Wissen, dass einem schon fast schwindelig wurde. Beim Seminar mit Eberhard Weiß auf dem Franziskushof in Neuburg an der Donau mussten nicht nur die Reiterinnen ganz konzentriert sein, um alle Informationen aufnehmen zu können.
Eberhard Weiß kam nicht allein, seine beiden Jagdhunde verfolgten ihn auf Schritt und Tritt und beäugten genau, was ihr Herrchen da unterrichtete. Eberhard Weiß begann mit 16 Jahren im Institut von Egon von Neindroff Unterricht zu nehmen, war später Gastreiter in Saumur und der Ausbildungsleiter des Nationalgestüts Kladruby bevor er auf seinem Hof in Marloffstein bei Nürnberg nun als Berufsreiter und Reitlehrer arbeitete. (Im Artikel finden Sie auch ein Video zum Thema Sattel)
Gleich zu Beginn musterte er alle Pferde und ihre Ausrüstung kritisch. Zwei der vorgestellten Pferde zeigten ein Ticken, sowohl an der Hand als auch unter dem Sattel: Enttäuschung für die Reiterinnen, aber ein unverzichtbares Prinzip bei unseren Fair zum Pferd-Seminaren. Pferde, die nicht 100% klar laufen, dürfen nur im Schritt mitmachen und das natürlich auch nur dann, wenn das für die Vierbeiner zumutbar ist. In diesen Fällen konnten beide Reiterinnen im Schritt mitreiten – keine leichte Aufgabe, ist der Schritt doch die schwierigste Gangart.
Bei mehreren Pferden korrigierte Eberhard Weiß zusammen mit Pferdewirtschaftsmeister Christian Kraft die Reithalfter. Meistens lagen sie zu tief, “das schnürt den Pferden die Luft ab”, erklärte Eberhard Weiß. Ein Reithalfter samt Sperrriemen war sogar deutlich zu eng verschnallt, “meine Reitlehrerin möchte das so”, berichtete die erschrockene Reiterin, bevor sie Sperrriemen und Reithalfter deutlich lockerer schnallte.
Besonderes Augenmerk legt der 58-jährige auf die Sättel. Zuhause hat er sich im Dachgeschoss eine kleine Werkstatt eingerichtet, eine richtige Tüftelstube, wo er ausprobiert, wie Sättel bestens auf den Pferderücken passen. Zusammen mit Tierarzt Robert Stodulka und Bewegungsspezialist schreibt er gerade ein Buch, die “Medizinische Sattellehre”. “Es ist für die Pferde fatal, wenn der Sattel nicht passt”, beschreibt Weiß die vielen negativen Folgen für das Pferd: Rückenprobleme, Lahmheiten, bis hin zur Unreitbarkeit. “Besonders wichtig ist es für das Pferd, dass der Trapezmuskel frei arbeiten kann. Denn neben der reinen Rückenlinie, gibt es auch noch eine Bewegungslinie des Rückens. Die langen Rückenmuskeln bewegen sich vor und zurück, doch der Trapezmuskel “atmet” förmlich und ist übrigens auch für die tatsächliche Atmung des Pferdes wesentlich”, so Eberhard Weiß (siehe Video).
Am Sonntag durften sich die Reiterinnen zum Ende der Stunde am einhändigen Reiten ausprobieren. Und siehe da: Plötzlich klappte es mit der Anlehnung viel besser – selbst der große Oldenburger-Fuchs marschierte mit gespitzten Ohren und stolz in schöner Selbsthaltung durch die große Halle.

Ganz schön viel Pferd, das später einhändig geritten eine tolle Selbsthaltung zeigte. Foto: Maren Jonasdofsky
Zum guten Schluss gehört der Dank: An den Anlageninhaber Anton Stadtmüller, bei dem wir das Seminar auf dem schönen Franziskushof durchführen konnten. An Pferdewirtschaftsmeister Christian Kraft, der auf dem Franziskushof zuhause ist und uns nicht nur beim Sattel- und Ausrüstungscheck unterstützt hat. Und natürlich bei Eberhard Weiß, der mit Engelsgeduld jede Nachfrage beantwortete und auch nach einem langen Tag mit Reitunterricht einen spannenden und unterhaltsamen Theorieabend bestritt.
Alle Beteiligten haben das gegen ein wirklich winziges Honorar gemacht- nur deshalb können wir die Seminare so günstig anbieten – weil Referenten und Anlagenbetreiber und aller Helfer die Idee von “Fair zum Pferd” auch tatsächlich unterstützen, danke! (cls)

Bekamen von Claudia Sanders für ihr Engagement die Auszeichnung "Fair zum Pferd-Tipp" verliehen: Eberhard Weiß (re) und Christian Kraft. Foto: Maren Jonasdofsky.

Kleine Kontrolle von Eberhard Weiß Hund bei Claudia Sanders: Machst du das auch alles richtig? Foto: Maren Jonasdofsky

Gespräch am Rande: Eberhard Weiß und Pferdewirtschaftsmeister Christian Kraft (re.) Foto: Maren Jonasdofsky






